Ob Erdgas für die Hallenheizung, Diesel für die Lkw-Flotte oder Heizöl für die Prozesswärme: Auf fast jede fossile Kilowattstunde fällt in Deutschland ein CO2-Preis an. Für viele Mittelständler ist er längst ein spürbarer Kostenblock – und einer, der sich in den kommenden Jahren grundlegend verändert.
Im Oktober 2026 hat der Bundestag den nationalen Preiskorridor für 2027 verlängert. Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr übernehmen. Dieser Beitrag erklärt dir, wie die Systeme zusammenhängen, was sie kosten und wie du die Entwicklung in deine Planung einbaust.
Was ist der CO2-Preis und wer zahlt ihn?
Der CO2-Preis ist ein Preis für jede ausgestoßene Tonne Kohlendioxid. In Deutschland gibt es zwei Systeme: den EU-Emissionshandel (EU-ETS 1) für Kraftwerke und große Industrieanlagen und den nationalen Brennstoffemissionshandel nach BEHG für Wärme und Verkehr. Ab 2028 soll der europäische ETS2 den nationalen Handel ablösen.
Im BEHG zahlen formal die Unternehmen, die Brennstoffe in Verkehr bringen, also etwa Gas- und Mineralölhändler. Sie geben die Kosten über den Preis an ihre Kunden weiter. Du zahlst die Abgabe deshalb indirekt mit jeder Tankfüllung und jeder Gasrechnung, ohne selbst Zertifikate zu kaufen.
BEHG: CO2-Preis 2026 und 2027 im Korridor
Nach der Festpreisphase bis 2025 werden die nationalen Zertifikate seit 2026 innerhalb eines Preiskorridors von 55 bis 65 Euro je Tonne versteigert. Am 15. Oktober 2026 hat der Bundestag beschlossen, diesen Korridor auch für 2027 beizubehalten. Ohne die Änderung hätte sich der Preis für 2027 an den schwankenden Auktionspreisen des EU-ETS 1 orientiert.
Für Unternehmen bringt das ein weiteres Jahr Planungssicherheit. Rechne für 2027 trotzdem mit dem oberen Ende des Korridors, denn bei knappen Zertifikaten pendelt sich der Preis erfahrungsgemäß eher bei 65 Euro ein.
Was der CO2-Preis für Diesel, Erdgas und Heizöl bedeutet
Die Umrechnung auf deine Energieträger zeigt die Dimension. Bei 65 Euro je Tonne ergeben sich überschlägig folgende Aufschläge, jeweils netto und ohne Mehrwertsteuer:
- Diesel: rund 17 Cent je Liter
- Heizöl: rund 17 Cent je Liter
- Erdgas: gut 1 Cent je Kilowattstunde
- Flüssiggas: rund 10 Cent je Liter
Die Werte sind gerundete Näherungen auf Basis typischer Emissionsfaktoren. Wie viel davon tatsächlich auf deiner Rechnung landet, hängt von deinem Liefervertrag und der Weitergabe durch den Lieferanten ab.
Doppelbelastung bei ETS-Anlagen vermeiden
Betreibst du eine Anlage, die bereits im EU-Emissionshandel erfasst ist, sollen dieselben Emissionen nicht zusätzlich im nationalen System belastet werden. Dafür gibt es Regeln zur Vermeidung der Doppelbilanzierung, die der Gesetzgeber zuletzt auch für eingelagerte Brennstoffmengen angepasst hat.
In der Praxis läuft das meist über deinen Brennstofflieferanten, der entsprechende Mengen kennzeichnet. Prüfe deine Rechnungen genau: Werden ETS-Mengen fälschlich mit nationalen Kosten belastet, kann das schnell fünf- oder sechsstellige Beträge ausmachen.
EU-ETS 1: der CO2-Preis für Industrie und Energiewirtschaft
Größere Industrieanlagen, etwa ab 20 Megawatt Feuerungswärmeleistung, unterliegen dem EU-Emissionshandel. Dort bildet sich der Preis frei am Markt. Laut Umweltbundesamt lag er Ende Juni 2026 bei rund 80 Euro je Tonne, das Rekordhoch von gut 100 Euro stammt aus dem Februar 2023.
Auch wenn du selbst keine ETS-Anlage betreibst, spürst du den Zertifikatepreis: Er fließt in den Großhandelsstrompreis ein und verteuert energieintensive Vorprodukte wie Stahl, Zement oder Aluminium. Hinzu kommt, dass die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten an die Industrie schrittweise ausläuft.
CBAM: der CO2-Preis an der EU-Grenze
Parallel zum Abbau der Gratiszuteilung gilt seit dem 1. Januar 2026 der CO2-Grenzausgleich CBAM in seiner endgültigen Phase. Importeure bestimmter Waren wie Eisen und Stahl, Aluminium, Zement oder Düngemittel müssen die darin enthaltenen Emissionen bepreisen. Kaufst du solche Vorprodukte außerhalb der EU ein, prüfe deine Pflichten und die Auswirkungen auf deine Einkaufspreise.
ETS2 ab 2028: Was sich für Wärme und Verkehr ändert
Der ETS2 ist ein neuer europäischer Emissionshandel für Brennstoffe in Gebäuden, im Straßenverkehr und in kleineren Industrieanlagen. Er sollte ursprünglich 2027 starten, wurde aber auf 2028 verschoben. Wie im BEHG müssen die Brennstofflieferanten Zertifikate abgeben, nicht die Endverbraucher.
Laut EU-Kommission soll die Obergrenze die Emissionen der erfassten Sektoren bis 2030 um 42 Prozent gegenüber 2005 senken. Alle Zertifikate werden versteigert. Eine Marktstabilitätsreserve soll zu starke Preissprünge in der Anfangsphase dämpfen, eine feste Preisobergrenze gibt es aber nicht.
Wie hoch wird der CO2-Preis ab 2028?
Das weiß heute niemand verlässlich. Die Prognosen für den Startpreis im ETS2 gehen weit auseinander und reichen von Werten unter dem heutigen nationalen Korridor bis deutlich darüber. Entscheidend sind die Konjunktur, das Tempo bei Wärmepumpen und Elektromobilität sowie politische Eingriffe.
Für deine Planung heißt das: Arbeite mit Szenarien statt mit einer einzigen Zahl. Ein vorsichtiger Ansatz rechnet mit einem CO2-Preis, der mittelfristig eher steigt als fällt.
Carbon Leakage: Entlastung für energieintensive Branchen
Unternehmen aus Branchen im internationalen Wettbewerb können einen Teil ihrer Kosten aus dem nationalen Brennstoffemissionshandel zurückerhalten. Grundlage ist die Carbon-Leakage-Verordnung zum BEHG. Sie soll verhindern, dass Produktion wegen der Mehrkosten ins Ausland abwandert.
Die Entlastung ist allerdings an Bedingungen geknüpft. Typisch sind diese Anforderungen:
- Der Betrieb gehört zu einem Sektor oder Teilsektor, der in der Verordnung als gefährdet eingestuft ist.
- Ab bestimmten Verbrauchsgrößen ist ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nachzuweisen.
- Ein Teil der erhaltenen Beihilfe muss in Klimaschutz- oder Effizienzmaßnahmen investiert werden.
- Anträge sind fristgebunden und erfordern belastbare Verbrauchsnachweise.
Ob dein Betrieb antragsberechtigt ist, hängt von der genauen Branchenzuordnung ab. Lass dich dazu von einem spezialisierten Energieberater oder deiner IHK beraten, bevor du Fristen verpasst.
CO2-Preis planen: 5 Schritte für dein Unternehmen
Mit diesen fünf Schritten machst du aus einem unklaren Risiko eine kalkulierbare Kostenposition:
- Verbräuche erfassen: Liste alle fossilen Energieträger nach Menge und Standort auf – Diesel, Benzin, Erdgas, Heizöl, Flüssiggas. Die Daten stehen meist schon in Tankkarten-Abrechnungen und Versorgerrechnungen.
- Emissionen berechnen: Rechne die Mengen mit Standard-Emissionsfaktoren in Tonnen CO2 um. Diese Treibhausgasbilanz brauchst du ohnehin für deinen Nachhaltigkeitsbericht.
- Szenarien bilden: Multipliziere deine Emissionen mit drei Preispfaden, etwa 65, 100 und 150 Euro je Tonne für die Jahre ab 2028.
- Verträge prüfen: Kläre, wie Lieferanten CO2-Kosten weitergeben und ob du in Kundenverträgen Preisgleitklauseln für Energie- und CO2-Kosten vereinbaren kannst.
- Budget und Liquidität einplanen: Verankere die Szenarien in Budget und Liquiditätsplanung und bewerte Investitionen in Effizienz und Elektrifizierung mit dem erwarteten CO2-Preis.
Preisgleitklauseln: Kosten fair weitergeben
Wer langfristige Lieferverträge abschließt, trägt das Kostenrisiko oft allein. Eine Preisgleitklausel koppelt den Verkaufspreis an nachvollziehbare Indizes, etwa für Energie oder Emissionszertifikate. So teilen sich Lieferant und Kunde das Risiko transparent.
Wichtig sind eine klare Bezugsgröße, ein fester Anpassungsrhythmus und eine Begrenzung nach oben und unten. Wie du solche Klauseln in Gesprächen durchsetzt, zeigt unser Beitrag über Preisverhandlungen.

Beispiel: Was der CO2-Preis eine Spedition kostet
Ein Szenario macht die Größenordnung greifbar: Eine Spedition betreibt 40 schwere Lkw, die jeweils rund 36.000 Liter Diesel im Jahr verbrauchen. Das sind zusammen etwa 1,44 Millionen Liter und damit knapp 3.800 Tonnen CO2.
- Bei 65 Euro je Tonne: rund 250.000 Euro CO2-Kosten pro Jahr
- Bei 100 Euro je Tonne: rund 380.000 Euro pro Jahr
- Bei 150 Euro je Tonne: rund 570.000 Euro pro Jahr
Hinzu kommt bei Lkw die CO2-Komponente der Lkw-Maut, die emissionsfreie Fahrzeuge deutlich entlastet. Die Spanne zeigt, warum Logistiker den Umstieg auf den E-Lkw zunehmend als Absicherung gegen steigende Kosten betrachten – zumal jeder elektrifizierte Kilometer der CO2-Bepreisung im Verkehr dauerhaft ausweicht.
Wie du die Belastung durch den CO2-Preis senkst
Der wirksamste Hebel ist, weniger fossile Energie zu verbrauchen. Jede vermiedene Tonne CO2 spart dir Kosten heute und in allen Folgejahren. Bewährt haben sich vor allem diese Ansätze:
- Effizienz zuerst: Wärmerückgewinnung, Druckluftleckagen beseitigen, Gebäudehülle und Hallentore optimieren
- Elektrifizierung: Wärmepumpen für Raum- und Niedertemperatur-Prozesswärme, Elektrofahrzeuge in Flotte und Logistik
- Eigenstrom: Photovoltaik für Unternehmen liefert günstigen Strom für elektrifizierte Prozesse
- Entlastungen nutzen: Prüfe, ob dein Betrieb unter die Carbon-Leakage-Regeln des BEHG fällt und eine Kompensation beantragen kann
- Beschaffung strukturieren: Verbinde Energie- und CO2-Kosten in einer Gesamtstrategie, wie sie unser Beitrag zu Energiekosten in der Industrie beschreibt

Fazit: Der CO2-Preis gehört in jede Investitionsrechnung
Der verlängerte Korridor verschafft dir für 2027 Ruhe, doch mit dem ETS2 ab 2028 wird der CO2-Preis wieder vom Markt bestimmt. Wer heute in Heizung, Fuhrpark oder Prozesswärme investiert, legt die Kosten für 15 bis 20 Jahre fest. Rechne den CO2-Preis deshalb in jede Investitionsentscheidung ein.
Die gute Nachricht: Mit sauberen Verbrauchsdaten, klaren Szenarien und einem schrittweisen Umstieg auf Strom aus erneuerbaren Quellen machst du den CO2-Preis von einem Risiko zu einer planbaren Größe. Lass dich bei Entlastungsanträgen und vertraglichen Fragen im Einzelfall beraten.
Häufige Fragen zum CO2-Preis
Wie hoch ist der CO2-Preis 2027 in Deutschland?
Für Brennstoffe in Wärme und Verkehr gilt 2027 wie schon 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO2. Der Bundestag hat die entsprechende Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes am 15. Oktober 2026 beschlossen. Innerhalb des Korridors bildet sich der Preis über Versteigerungen, erfahrungsgemäß eher am oberen Ende.
Wann startet der ETS2?
Der europäische Emissionshandel für Gebäude, Straßenverkehr und kleinere Industrieanlagen soll 2028 vollständig starten. Ursprünglich war 2027 geplant. Mit dem Start soll der nationale Brennstoffemissionshandel nach BEHG in das europäische System übergehen. Wie hoch der Preis dann ausfällt, ist offen und hängt von Angebot, Nachfrage und Marktstabilitätsreserve ab.
Wer zahlt den CO2-Preis im BEHG?
Formal sind die Unternehmen abgabepflichtig, die Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin oder Diesel in Verkehr bringen. Sie geben die Kosten in aller Regel über den Energiepreis an ihre Kunden weiter. Als Unternehmen zahlst du den CO2-Preis also indirekt über deine Tank- und Versorgerrechnungen, ohne selbst Zertifikate erwerben zu müssen.
Welche Unternehmen fallen unter den EU-ETS 1?
Der EU-ETS 1 erfasst vor allem Kraftwerke, große Industrieanlagen ab etwa 20 Megawatt Feuerungswärmeleistung sowie Luft- und Seeverkehr. In Deutschland waren 2025 knapp 1.800 Anlagen erfasst. Die meisten Mittelständler sind nicht direkt betroffen, zahlen den CO2-Preis aber indirekt über Strom und energieintensive Vorprodukte.
Wie kann ich mich gegen einen steigenden CO2-Preis absichern?
Am wirksamsten ist es, den fossilen Verbrauch zu senken, etwa durch Effizienzmaßnahmen, Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und eigenen Solarstrom. Ergänzend helfen Preisgleitklauseln in Kundenverträgen und eine Szenarioplanung im Budget. Prüfe außerdem, ob dein Betrieb Entlastungen nach den Carbon-Leakage-Regeln beantragen kann, und lass dich dazu im Einzelfall beraten.
